
UV-Kleber als Problemlöser im Modellbau
Zu einem richtigen Truckmodell gehört natürlich auch eine Fahrerkabine. Und die braucht natürlich auch Fenster. Diese Fenster
wiederum brauchen selbstverständlich auch Scheiben. Während diese im Original von speziellen Leisten, Gummiprofilen oder
Verschraubungen in der Karosserie gehalten werden, lässt sich das im Modell nur schwer nachstellen. Im Grunde genommen
bleibt dem Modellbauer nur die Möglichkeit, die Scheiben einzukleben. Wie TRUCKS & Details-Autor Hinrik Schulte weiß, beginnt
genau da das Dilemma.
Egal aus welchem Material der Aufbau ist, das transparente Scheibenmaterial ist immer eine Herausforderung, wenn es ums Kleben geht. Der beliebteste Kleber im Modellbau ist wohl mittlerweile der Sekundenkleber, aber der ist leider denkbar ungeeignet, denn beim Aushärten hinterlässt Sekundenkleber sehr oft einen weißen Nebel auf den Scheiben und die ganze Arbeit war umsonst. Auch die meisten anderen Kleber haben sich nicht richtig bewährt. Entweder sie hinterlassen hässliche Klebstoffränder, wenn mal doch etwas zu viel Kleber aufgetragen ist, oder die Kleberschicht ist so unflexibel, dass sich die Scheibe bei Vibrationen wieder ganz schnell vom Untergrund löst.
Alternative Weißleim
Sehr gut hat sich bei mir in den letzten Jahren hingegen der wasserfeste Weißleim von Ponal bewährt. Denn obwohl er im flüssigen Zustand weiß ist, trocknet er nahezu transparent aus, sodass man zwar sorgfältig arbeiten muss, aber kleine Übermengen trotzdem fast unsichtbar bleiben.
Um diese trotzdem so gut wie möglich zu vermeiden, muss man den Kleber einfach sparsam auf die Innenseite des Aufbaus auftragen. Die Öffnungen der Weißleim-Flaschen sind dafür definitiv zu groß, weshalb man dann unweigerlich zu viel Kleber auf die Innenseite des Aufbaus aufträgt. Aus diesem Grund gebe ich nunmehr einen großen Kleberklecks auf ein Reststück Holz oder Kunststoff und nehme aus diesem Klecks eine kleine Menge Weißleim mit einem Zahnstocher und trage den Leim sparsam so auf der Innenseite des Aufbaus auf, dass noch ein gewisser Abstand zum Scheibenrand bleibt. Die transparente Scheibe muss natürlich mit Übermaß ausgeschnitten werden, der dann die Klebefläche bildet. Mit dem Zahnstocher lässt sich der dickflüssige Weißleim sehr sparsam und platziert auftragen und wenn man 1 bis 2 mm Abstand zum Fensterausschnitt hält, sollte es nachher auch keine Ränder geben.

Zwei Alternativen eignen sich als Kleber für transparente Scheiben: wasserfester Holzleim und UV-Kleber
Wenn man nicht so viel Platz hat, darf man den Weißleim eben nur sehr dünn auftragen. Die Scheibe aus transparenter Kunststofffolie wird natürlich vorher schon ausgeschnitten und getestet. Erst wenn alles passt, kann sie möglichst passgenau aufgelegt werden. Ein Hin- und Herschieben sollte vermieden werden, denn dann kann es passieren, dass man sich doch noch einen Leimrand in den Sichtbereich des Fensters schiebt. Das wäre ärgerlich, denn auch wenn der Weißleim transparent trocknet, perfekt ist es dann nicht mehr!
Was dann folgt, ist gar nicht schön, denn die Scheibe muss angedrückt werden und der Weißleim braucht einige Stunden, um anzuziehen und zu halten. Daher darf das Bauteil in der Zeit nicht bewegt werden beziehungsweise sollte die Scheibe sogar mit einer Klammer fixiert werden, sofern die Verhältnisse im Modell das überhaupt zulassen.
Lampe an!
Das hat jahrelang gut funktioniert und ich sage auch nicht, dass diese Methode falsch ist. Aber manchmal ist das Bessere ja der Feind des Guten und so bin ich eher zufällig auf UV-Kleber gestoßen. Natürlich ist der Begriff falsch, denn es klebt ja nicht das ultraviolette Licht, sondern es ist ein dickflüssiges, transparentes Harz auf Epoxy-Basis. Im Gegensatz zu den Epoxidharzklebern, die wir sonst so kennen und benutzen, besteht das allerdings nur aus einer Komponente. Das ist an sich ja gar nicht schlimm, denn es macht die Handhabung sogar einfacher. Aber woher weiß das Harz, wann es aushärten soll? Da kommt nun das ultraviolette Licht ins Spiel!
UV-Licht kommt in geringem Maß im Tageslicht vor und hat eine Wellenlänge von 315 bis 400 nm. Der UV-Anteil Tageslicht reicht allerdings nicht aus, um diese Harze zum Härten zu bringen. Ein Tropfen UV-Kleber bleibt noch tagelang flüssig, aber es gibt ja spezielle UV-Lampen, die ein meist blaues Licht im perfekten Spektrum von 350 bis 370 nm so intensiv ausstrahlen, dass eine Kleberschicht innerhalb von 30 bis 60 Sekunden weitestgehend aushärtet. Das kann man sich ungefähr so vorstellen, wie bei dickflüssigem Sekundenkleber, der auch lange feucht bleibt und mit Aktivator dann innerhalb von Sekunden haftet. Das ist dann das Gleiche wie das Bestrahlen mit der UV-Lampe.

Wenn es auch auf die Innenseite ankommt ist der UV-Kleber besonders gut geeignet, da er absolut transparent bleibt
Transparenz großgeschrieben
Der UV-Kleber sieht absolut transparent aus und hinterlässt keine Dämpfe oder Ähnliches. Dabei ist es auch nicht entscheidend, welche Materialen verklebt werden sollen. Kunststoff, Leichtschaum, Metalle, Holz, oder Papier, das alles lässt sich mit UV-Kleber gut verbinden. Den Kleber sollte man wieder, genau wie gewohnt, sparsam auftragen und die Scheibe sollte auch angedrückt werden, obwohl der Kleber ob seiner Dickflüssigkeit auch Spalten überwinden kann. Dabei darf man sich ruhig Zeit lassen, denn der UV-Anteil im normalen Licht lässt den Kleber ja so gut wie gar nicht aushärten.
Mit einer kleinen UV-Taschenlampe kann man nach dem Ausrichten der Scheiben den Kleber dann recht schnell, meistens in gut 30 bis 45 Sekunden aushärten lassen, was eine zusätzliche Fixierung der Teile überflüssig macht. Das macht der Kleber zwar bei fast allen Materialien, aber er eignet sich natürlich ganz besonders für die Verklebung mit glasklaren Teilen. Würde man zwei nicht-transparente Kunststoffplatten mit UV-Kleber verkleben, könnte man den Kleber ja nur an den Rändern mit UV-Licht aktivieren und er bliebe an der eigentlichen Klebefläche zwischen den Bauteilen noch sehr, sehr lange flüssig, da er dort ja vor Licht geschützt ist. Das Problem haben wir bei den Scheiben nicht.
Ansonsten gelten natürlich die eben genannten Regeln bezüglich des sparsamen Auftragens und der möglichst genauen Platzierung der Teile. Aber da der UV-Kleber absolut transparent aushärtet, bleiben kleine Missgeschicke häufig auch unentdeckt.

Blaulicht-Alarm! Erst wenn alles passt, wird der Kleber mit dem Licht der UV-Lampe zum Aushärten gebracht
Darauf sollte man achten
UV-Kleber wird zum Beispiel in der Kosmetik beim Verkleben künstlicher Fingernägel eingesetzt, daher kann man ihn zum Beispiel in Drogeriemärkten bekommen. Er hat seinen Weg aber auch schon bis zu industriellen Anwendungen gefunden und wird daher auch auf den üblichen Online-Plattformen angeboten. Selbst eine kleine Flasche reicht erstaunlich lange und zusammen mit einer einfachen UV-Lampe zum Aushärten kosten solche kleinen Startersets nur zwischen 10,– und 20,– Euro. Das reicht allemal aus, um Erfahrungen mit diesem im Modellbau recht neuen Kleber zu machen.
Wie immer, sollte man vorsichtig mit dem Kleber vorgehen und Hautkontakt sowie besonders Augenkontakt vermeiden und auch nicht unbedingt an der Flasche schnüffeln. Aber alles in allem kann man mit ihm sehr gut arbeiten. Mittlerweile habe ich auch bei der Firma STAIK Industrieklebstoffe den UV-Kleber Acrybond in zwei unterschiedlichen Viskositäten gefunden und experimentiere immer weiter, welche Viskosität für welche Anwendung die Beste ist.
Weitere Verwendung
Aber nicht nur beim Verkleben von Scheiben kann man als Modellbauer UV-Kleber einsetzen. Besonders der dickflüssige eignet sich sehr gut zum zusätzlichen Verkleben von gelöteten Kabeln an offenen Steckerleisten, denn hier kann die Klebeschicht auch gut aktiviert werden und sogar LEDs kann man mit einem großen Tropfen UV-Kleber einerseits wasserdicht versiegeln und andererseits erweitert der transparente Tropfen auf der LED den Abstrahlwinkel ohne die Leuchtstärke sichtlich zu mindern.
Damit ist bestimmt noch nicht das komplette Einsatzspektrum angesprochen und ich bin mir sicher, dass findige Modellbauer mit etwas Fantasie noch zahlreiche weitere Anwendungen für UV-Kleber im Modellbau finden werden.
Bezug
STAIK Industrieklebstoffe
Telefon: 089/23 05 54 61
E-Mail: info@staik-industrieklebstoffe.de
Internet: www.staik-industrieklebstoffe.de
Preis: ab 17,99 Euro (Acrybond)





